Ankunft- und Abfahrtgeschichten

Buchprojekte von Peter Claus, Ludwigsau. Zusätzlich kann hier jeder registrierte Teilnehmer Finnlandgeschichten und Fotos bis 250 KB nach Freischaltung veröffentlichen.

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Begegnungen auf der Superfast

Im Juli 2003 fahren mein Mann Klaus Dieter und ich nach sieben Jahren finnischer Abstinenz wieder in das Land unserer Sommerträume. Diesmal von Rostock mit der Superfast, uns schon lange bekannt durch eine nicht enden wollende Bauzeit in Kiel. Von großer Sorge getrieben, nicht rechtzeitig zum Einschiffen dort zu sein, fahren wir viel zu früh fort, um uns dann die Zeit in menschleerer und langweiliger Hafengegend vertreiben zu müssen. Ein Waldcafé  in der Nähe scheint unsere Rettung zu sein, aber dort fallen Heerscharen von Mücken über uns her. „Hier schon?“ fragen wir uns irritiert und fliehen zurück zur Superfast, reihen uns ein in die Warteschlange und werden überaus belohnt durch dieses angenehme neue 220 m lange Schiff mit 180 Kabinen, einem übersichtlichen Restaurant, keinen Rummel und einer schönen Außenkabine.

Superfast

Superfast in Rostock 2004 (Foto Peter)

Bei einem reichhaltigen Abendbüffet lernen wir dann ein finnlandahnungsloses junges Paar aus Belgien kennen. Mit ihnen reisen wir auf ihrer gebuchten Autotour mit zum Polarkreis, versäumen es allerdings nicht, als absolute Finnlandkenner aufzutreten und sie mit Tipps aller Art eher reiseunfähig zu machen. Unsere Reiseunfähigkeit wird allerdings schon nachts auf die Probe gestellt. Ein wüstes Gepoltere und lautes Gerede vor unserer Kabinentür! Irgendwann stürze ich zur Tür, reiße sie auf. Vor mir auf dem Gang hockend zwei Männer, jeder eine Bierflasche in der Hand. In ihrem Rausch haben sie sicherlich die Tür mit der Computerkarte nicht öffnen können. Leider schimpfe ich auf Deutsch. Sie erheben die Bierflasche zum Gruß: „Oho, Deuitsche, Heil Hitler!“ Ich knalle die Tür zu, werfe mich ins Bett und stammle: Gott verzeih ihnen, es sind Finnen!“ Nach einer Weile wird es still. Doch plötzlich ist es lauter als zuvor: Sie liegen neben meinem Ohr in der Kabine nebenan! Jetzt ist es mir egal. Ich schlafe ein.

Am nächsten Morgen beim Frühstück sitzt uns ein markant aussehender Russe gegenüber, der wie jeder, der in die Nähe meines Mannes kommt, in seine wissbegierigen Fänge gerät. Und so bekommen wir gratis spannende Geschichten zu hören von abenteuerliche Auto - Überführungen von Köln nach Russland über Finnland. Schneller und preisgünstiger sei das als bei den nicht aufhören wollenden riesigen Warteschlangen an den polnischen Grenzen, die für viele zu einem Trauma wurden, wie wir es oft in den Zeitungen lasen.

  

Von einer finnischen Wegbeschreibung, die hält, was sie verspricht

und von einem deutsches Bier, das nicht ankommt

Nach 21 Stunden Fahrt erreichen wir westlich von Helsinki den Hafen Hanko. Zielort für diesen Tag ist Turku, ca. 150 km entfernt in nördlicher Richtung. Matti, unser finnischer Freund, hatte uns eine genial einfache Routenbeschreibung geschickt. Natürlich erhielten wir sie erst auf finnische Weise einen Tag vor der Abreise. Sie ist so umwerfend einfach, dass ich ihr misstraue und dann völlig verwirrt bin, als plötzlich unser Ziel auf einem Straßenschild in großen Lettern vor uns erscheint. Doch das eigentliche Dilemma beginnt erst jetzt. Wir finden die Hausnummer nicht. Niemand, den ich frage, weiß etwas von diesem Haus. Keiner versteht Englisch, geschweige denn Deutsch. Mein Mann ist inzwischen völlig entnervt. Er begibt sich nun selbst auf die Suche und findet einen Taxifahrer. Oh ja, er kenne die Familie, sie wohne neben seinem Haus, welches unlogischerweise allerdings erst hinter den beiden nächsten Straßen läge. Noch einmal auf die Wegbeschreibung schauend, muss ich gestehen, dass sie korrekt ist. Es scheiterte alles an meinem zu vielen Denken und meinem Argwohn den Finnen gegenüber, es nicht so genau zu nehmen. Oh, wohin nur mit all diesen Vorurteilen? Doch die Verwirrung sollte noch kein Ende nehmen, denn wir fahren an dem Haus vorbei, wo die ganze Familie auf uns wartend vor dem Haus sitzt, biegen siegessicher in einen fremden Hof ein, erschrecken die Besitzerin, die arglos bei offener Tür vor ihrem Fernseher sitzt und landen stöhnend mit Rückwärtsgang und quietschenden Bremsen vor dem richtigen Haus.

Dann sitzen wir alle um den großen Tisch im angebauten Wohnzimmer. Es gibt finnisches Bier, kein „Warsteiner“, was die Erfüllung aller finnischen Männersehnsüchte gewesen wäre. Eine große Enttäuschung breitet sich für eine Weile stumm aus, als unsere Freunde erfahren müssen, dass wir keine Flasche Bier mitgebracht hatten. Was war geschehen? Klaus Dieter meinte, Matti hätte ihm erklärt, er trinke kein Bier mehr und da er selber auch nichts davon in Finnland trinken wollte, wurde nichts eingepackt. Was für ein unrealistisches und auch unzoziales Denken! Wie gerne hätten wir in diesem Augenblick die Zeit zurückgedreht! Randhoch würden wir das Auto mit Kisten dieses edlen Göttertrankes beladen und dran geglaubt, dass kein Zollbeamter es je entdecken würde.

Die Wegbeschreibung und das unverhoffte Ziel

Unter Motorradvorausfahrt von Matti bis an Turkus Grenze beginnt die eigentliche Fahrt zu unserer Hütte, die noch 360 km weiter in nordöstlicher Richtung liegt. Endlos gute aber langweilig werdende Straßen. Links und rechts Kiefern, dazwischen steil aufragende Felswände und wieder Kiefern. Riesige Schilder über uns erinnern mich an Amerika-Abfahrten zu irgendwelchen unbedeutenden Städten. Endlich eine Tankstelle! Aus dem Niemandsland auftauchend, riesig wie ein Vergnügungspark mit Restaurants, Kinos und Shops. Und so sieht nun unsere weitere Wegbeschreibung aus:

 „ ... links ab auf die 429 Richtung Hirvensalmi, an Ortsmitte vorbeifahren, rechts ab auf die 431 Richtung Mikkeli 5 km, links ab beim Wegweiser Väisälänsaari und ca. 10 km bis zur Brücke. Nach der Brücke 2,5 km, links ab auf den Weg Ollantie, 50 m weiterfahren. Rechts ab 300 m bis zum gelben Ziegelhaus des Besitzers, wo Sie den Schlüssel und weitere Informationen erhalten. Schönen Urlaub!“

Väisälänsaari Puula
(an der Brücke von Väisälänsaari, Foto Antje) (Strand des mökkis (Ferienhauses), Foto Peter 2011)

Der Weg ist nun eine einzig mühsame Schotter - Berg - und Talfahrt. Dann eine Gabelung. Wir entscheiden uns für links. Erst, als wir die beschriebene Brücke erkennen, atmen wir auf, doch richtig gefahren zu sein. Verwundert und glücklich sind wir allerdings, dass es eine Insel ist, auf der wir nun unsere Ferien verbringen werden. Unsere Sommerhausvermieter Taisto und Pirjo Hämäläinen warten auf uns in Eteläkylä (der Ort kam in der Wegbeschreibung nicht vor). Warmherzig empfangen sie uns. Ihr Sohn ist extra angereist. Er spricht Englisch und fährt uns auf immer enger werdenden Wegen voraus. Und dann am Ende eines solchen Weges unsere Hütte! Wie in einem Traum steht sie mitten in einem Waldgarten, an dessen Rand sich der See ins Unendliche streckt.

Drei Wochen Wald, Himmel und See beginnen.

Mökki - Ferienhaus am See

(unser mökki, Foto Antje)

Der heißeste Sommer und kein Handy

„Wenn ihr gut und preiswert einkaufen wollt, dann fahrt nach Mikkeli in den Supermarkt“, sagt man uns. Wir glauben es und fahren, verschmähen das nur 20 km entfernte Hirvensalmi und das bei dieser Wahnsinnshitze. Es ist der heißeste Sommer in Finnaland seit 100 Jahren! Verzweifelte Suche nach dem Einkaufszentrum, bis es plötzlich in gigantischen Ausmaßen vor uns liegt. Wir kaufen wie wild, denn nicht noch einmal werden wir uns hierher bewegen. Hitzegeschwächt schleppen wir uns danach auch noch durch das Taidemuseo mit beeindruckenden Bildern und Skulpturen, fliehen in den Dom – Tuomikirkko – weil wir meinen, hier könne es kühl sein, was aber die hohen Fenster nicht zulassen. Der Aussichtsturm Naisvuori könnte frischen Wind für uns parat haben, aber mitnichten. Denn hier verschlingt uns ein überaus interessantes Museum mit einer Ausstellung zum sogenannten Fortsetzungskrieg 1941-1944 gegen Russland, als hier das Nachrichtenzentrum war, in dem im Laufe des Krieges 3000 Frauen mit der Luftabwehr beschäftigt waren.

Auch die plötzlich leer gewordene Batterie meines Handys ein paar Tage später und der in Heikendorf liegen gebliebene Akku können mich nicht mehr nach Mikkeli bringen, obwohl ich sehr unglücklich über das tote Handy war. Es ist wie eine Notfallabsicherung für mich geworden, was wiederum mir ein ungutes Gefühl gibt. So fahren wir nach Hirvensalmi. In einem Hier-kannst-du-alles-kriegen-Laden ein junger, nett aussehender blonder Finne, der nichts versteht, aber eine Schwester hat, die Englisch spricht und mich mit ihr per Handy verbindet. So bekommen wir das heißersehnte Ladegerät. Dann nach ein paar Tagen das nächste Problem. Das Handy-Konto ist leer. Wir brauchen eine Karte. Wieder nach Hirvensalmi. Es ist Montag und der Laden erweist sich als montagsgeschlossen. Am nächsten Tag sind wir wieder dort. Er ist noch immer geschlossen. Auf finnisch steht auf einem Zettel: Ferien bis zum 11. August. Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als das zu tun, was ich schon immer als das Richtige spürte: Vertraue Gott und seiner Fürsorge. Ich fühle mich auf einem unendlich erleichtert. 

Wenn man Finnland verlässst

Die drei Mökki-Wochen sind vorbei. Ich danke Finnland, fühle mich von diesem Land geliebt, beschenkt mit seinem Himmel, seinen unendlichen Seen, den fantasievollen Felsformationen, den Birken- und Kiefernwäldern, seinem abwechslungsreichsten Beerenprogramm und vor allem den Menschen, die hier leben.

Einer von ihnen ist unser Hüttenbesitzer Taisto, für den wir die Flasche mit dem „Küstennebel“ sorgfältigst hüteten, damit er sich bei uns hinsetze, wenn er Wasser, Kartoffeln, Pilze oder Blaubeeren bringt und Klaus per Wörterbuch mit ihm reden kann. Doch er lacht meistens, da es sich für ihn nur komisch anhört, wie mein Mann auf eine deutschverdrehte Weise versucht, finnische Wörter auszusprechen.

Auf der Terrasse am Ferienhaus

(Küstennebel schmeckt!, Foto Antje)

Auf dem Rückweg halten wir in Porvo. Wir gehen die enge Straße hinauf an den schönen verzierten Holzhäusern des Gamla Borg å vorbei zum Dom, der in der Mitte dieses berühmten Viertels steht. In diesem Augenblick entlädt sich aus seiner gewuchtigen hohen Tür eine quirlige Hochzeitsgesellschaft. Fasziniert schauen wir den schönen Gästen zu. Wir wollen auch mitfeiern und finden unten am Hang des Gamla Borg å (Alt-Porvoo) ein kleines spanisches Restaurant in einem schattigen Garten, genießen dort eine ganz andere Welt.

Es wird Zeit, gen Hanko zu fahren. Doch dazwischen gab es das Problem Helsinki. Ganz einfach wäre das, meinte Peter, der uns in der letzten Woche den Tipp mit Porvoo gab. Wir sollten einfach den Ring III nehmen und um Helsinki herumfahren. Es sei gut ausgeschildert. Aber es wird für uns zu einer aufregenden, anstrengenden  Rallye, verfolgt von dem Gedanken, dass wir uns immer mehr von der richtigen Fährte entfernen. Wir glauben dem Ring III erst, als wir die 51 erreichen, die direkt nach Hanko führt.

Viel Zeit habe wir noch in der Check-in-Schlange. Vor uns ein smarter Endvierziger mit altem Porsche und einem netten 12-jährigen Sohn. Frau, Tochter und Hund in einem anderen Wagen. Die Fahrt auf die Fähre bei milchigroter Himmelsfärbung. Nun haben wir eine Innenkabine, die ich mit großer Skepsis buchte. Doch sie ist genial eingerichtet mit einer Spiegelwand, wo sonst das Fenster wäre. Ich schlafe wunderbar. Zum Frühstück, sagt man uns, gäbe es nur eine Chance, in Ruhe zu essen: Man muss in der ersten Viertelstunde nach 8 Uhr da sein. Doch das dachten viele. Die Schlange ist schon 20 Meter lang, als wir schon eine Viertelstunde vorher da sind.

Wir bekommen gerade noch einen kleinen Ecktisch, der bald von jungen Leuten zusätzlich bevölkert wird. Wir hatten sie schon beim Einchecken beobachtet. Es sind „Friedensleute“, die in ihren Ferien in Sachen Kriegsgräberbetreuung unterwegs sind. Sie wollten eigentlich über die russische Grenze. Obwohl alles organisiert war, gab es keine Erlaubnis für sie. (Es ist übrigens die am besten bewachte Grenze der Welt – 800 km lang, erfahren wir.)  Sie erzählen von ihrer Arbeit, den Abenteuern, von ihrer Gemeinschaft, von der Freude an solchen Aufgaben, von den Schwierigkeiten. Es ist so interessant, ihnen zuzuhören, dass uns dabei das Frühstück nebensächlich wird.

 

Pia und ihre Ankommensgeschichte

Hatte mir vorgenommen, hier auf dem Schiff endlich mein Tagebuch wieder hervorzuholen, was Finnlands Einsamkeit nicht zuließ. Doch es wird hier auch nichts draus, denn als ich dabei bin, einen Sonnenstuhl von einem anderen Deck für meinen Mann zu ergattern, begegnet mir Pia, eine junge Frau, hübsch, zierlich im verhaltenen Hippiestil. Ehe wir uns versehen, sind wir mitten im Erzählen, sitzen angelehnt an der Schiffswand auf dem Boden, von der Sonne bestrahlt, und lachen über unsere eigenen Geschichten. 

Hier ist ihre Ankommensgeschichte

"Meine Freundin war es, die unbedingt in einer Hütte in Finnlands Wäldern Urlaub machen wollte. Ich war begeistert. Allerdings wusste ich nichts, aber auch gar nichts von solch einem Hüttendasein und machte mir darüber keine Gedanken. Meine Freundin managte alles. Ich fuhr einfach nur mit, freute  mich über das Abenteuer. Meine Tochte und den Sohn meiner Freundin nahmen wir mit. 

Vom Hafen Hanko war es eine lange Fahrt, die nicht enden wollte. Die Beschreibung auf dem Brief von den Hüttenbesitzern erzeugte nur Vewirrrung bei uns. Mühsam fanden wir den Ort, der sich nur als ein gewöhnliches Wegschild zeigte. Aber das Sommerhäuschen war nicht zu finden. Der Wald wurde immer dunkler. Dann eine Schranke. Verschlossen. Die Hütte müsste in nächster Nähe sein nach der Beschreibung. Doch wo ist er Schlüssel für die  Schranke? Nach umständlichem Suchen hatten wir ihn. Aber mit ihm ein ganzes Dutzend anderer Schlüssel, an einem Ring hängend. Keiner passte. Es wurde probiert und probiert. Eine Stund verging. Die Verzweiflung kletterte auf ihren Höhepunkt. Da probierte es der Sohn der Freundin noch einmal. Und siehe, es klappte. Die Schranke öffnete sich. Der Weg  zur Hütte war frei.

Hinein in das Häuschen, das Bad gesucht und vor allem das WC. Nichts auffindbar. Ich war am Ende. Das war nicht in der Beschreibung zu lesen, dass  kein Bad, kein WC, kein Wasser vorhanden ist!. Es gab nur noch den Wald. Rasende Gedanken in ihr, trommelten auf mich ein. Das konnte doch nicht sein! Der ganze Wald als Klo? Aber vielleicht hat hier ja jeder so sein Viertel. Und was war mit den Leuten, die vor uns hier waren? Ich erinnerte mich an längst vergangene Zeiten. War es nicht einmal schon in meinem Leben so ärmlich? Fühlte ich mich damals nicht auch so elend? Meine  Kindheit meldete sich. Eine Depression schlich sich an. Nein, hier wollteich nie und nimmer bleiben.

Auch der nächste Morgen brachte keine Freude über die gemütlichste finnische Hütte der Welt. Doch dann: gegen Mittag ein Juchhugeschrei und wieder und wieder juchute es durch den Wald bis in die Hütte hinein. Meine  Tochter hatte das Häuschen, das luftige Klo mitten im Wald, entdeckt."

Oh, eine wunderbare Geschichte, sage ich und dann lachen und lachen wir in den schon weit entfernten finnischen Wald hinein. „Ich habe da noch etwas. Ich will es dir zeigen. Es ist mein Tagebuch. Willst du es sehen?“ Natürlich will ich es sehen. Und es gibt wirklich etwas zu sehen. Aus Blütenblättern, Zeichnungen, Geschichten ein wirklich dickes wunderbares Finnlandtagebuch wie ein Zaubergarten. Ich kann mich nicht sattsehen. „Für meinen Freund mache ich es, der all das nicht erleben konnte“ Mit einem wehmütigen Seitenton sagt sie es. „Oh, mache ein Buch von deinen Geschichten, Leonie!“ ermuntere ich sie. Ja, sie will es. Nach einer Weile meint sie etwas zweifelnd: „Aber für wen?“ „Egal, für wen oder für wen nicht! Schreibe!“ So sagte ich es ihr. Dann ging ein jeder in seine Kabine und packte seine Sachen.

Finnische Urgesteine

Wir sind viel zu früh auf dem Autodeck, als das Schiff in den Überseehafen von Rostock einfährt. Das Auto meines attraktiven Typs neben uns. Sein Fenster ist geöffnet. Ich öffne meines auch  - worüber ich mich nicht wenig wundere. Wir erzählen uns von Finnland, unseren Abenteuern und Erlebnissen. Er ist ein Karrieremann, arbeitet in London, wohnt in Frankfurt. Seine Mutter ist eine Finnin, die ihm einst eine Insel schenkte. Und da stünde nun sein Sommerhaus. Doch dieses Reisen mit dem Auto mache keinen Sinn, zu groß der Zeitverlust. Er werde nur noch fliegen und seine Frau mit dem Auto fahren lassen. Es koste ihn sowieso nichts, da es allemal in seinem Firmenbudget drin sei. Nach dem Abitur sei er sofort ins Ausland gegangen. Was könne man schon in Deutschland werden? Dabei strahlt er und es scheint für ihn alles einfach zu sein – vielleicht weil er es in seiner Seele auch ist, denke ich. Da scheint finnisches Urgestein zu Hause zu sein.

Zwei Jahre später begegnete ich einem anderen finnischen Urgestein, Leena Lehtoleinen, bei der Lesung eines ihrer spannenden Bücher mit der sympathischen Maria Kallio.

veröffentlicht: 2011-09-12