Heirat auf Finnisch I

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Heirat auf Deutsch und Finnisch

 Teil I

In Deutschland

mit den Müttern in Deutschland

Es begann alles damit, dass Klaus Dieter und ich im Dezember 1988 heiraten wollten. Eine unauffällige Heirat sollte es sein. Keine kirchliche Trauung, keine weißgekleidete Braut, keine Myrten im Haar und kein großes Fest. Das war mein Wunsch von Kindheitstagen an. Für Klaus Dieter mochte es gerade recht sein, denn eine Mega-Hochzeit hatte er mit seiner ersten Frau erlebt, als er sich mit ihr in einer Kirche in Zagreb trauen ließen, für die er Blumenläden leer kaufte.

An jenem Tag nun, als wir zum Termin unserer Trauung ins Braunschweiger Rathaus gingen, war es früh am Morgen. Es war die erste Amtshandlung des Standesbeamten. Noch waren all die gleichaussehenden Türen auf dem langen halbdunklen Gang verschlossen.

Plötzlich krachte eine dieser Türen auf. Ein akkurat gekleideter Herr sprang wild mit den Armen fuchtelnd auf den Gang und rief aufgebracht: „Wo ist denn hier das Brautpaar?“ An uns hatte er vorbeigeguckt. Zu alltäglich sahen wir für ihn aus. Auch mein goldsamtiger weiter Flatterrock konnte das nicht ausgleichen.

Trauzeugen waren unsere Mütter, einst als junge Frauen unzertrennliche Freundinnen, Margarethe und Elgard. Wohlwollend und glücklich, endlich ihre Kinder miteinander verbunden zu haben, hörten sie der routinierten, aber gut aufgesetzten Rede des Beamten zu. Alles war gut, bis er die Ringe erwähnte. Da glaubten sie, die Erde würde sie verschlingen. Und ich konnte nur ein „O Schreck“ hervorstöhnen. Es war der Augenblick, an dem der Beamte erleichternd und freundlich sagte: “Und nun können Sie die Ringe tauschen.“  Die hatten wir nämlich vergessen. Und nicht nur einfach nur vergessen. Nein, an die hatte wir gar nicht gedacht.  Der überaus clevere Ausrede-Erfindungsgeist von Klaus Dieter ließ ihn in Sekundenschnelle galant sagen: „Das haben wir uns für einen ganz besonderen Augenblick ausgedacht“. Ein verständiges Nicken des Beamten, ein Durchatmen der Mütter. Und ich fühlte mich irgendwie frei, auch diesem Teil einer Trauung ein Schnippchen geschlagen zu haben, wenn auch unbewusst. Natürlich konnte ich nicht ahnen, was ein Nichtring sich alles ausdenken kann, um sich zu materialisieren, auch wenn er dazu Jahre braucht..

Klaus Dieter ging danach in seine Firma, tat so, als sei nichts geschehen, und ich bummelte mit den Müttern währenddessen durch die schöne Altstadt. In verschiedenen Cafés probierten wir schicke Tortenstücke mit Hochzeitflair aus, in einem kleinen Hutgeschäft Hüte, bis meine Mutter glücklich bedeckt mit uns in mein Lieblings-geschäft wunderbarer Dinge ging. Eine Tischdecke aus echtem groben Leinen sollte es sein als Hochzeitsgeschenk.(Ihre Bestimmung war, den nicht geliebten runden Marmortisch aus Klaus Dieters erster Ehe  vollständig zu bedecken bis zum Boden. Endlich erbarmte sich Klaus Dieters Mutter dieser nüchternen Hochzeit und bestellte unauffällig in einem Blumenladen ein entzückendes Azaleenbäumchen. Zu Hause angekommen strahlte es uns einladend entgegen mit Hunderten von kleinen rosaroten Blüten.

Sie fühlte sich gut an für mich diese Heirat ohne Zeremonie, bis irgendwann leise innere Anfragen kamen.  „Willst du nicht wenigstens eine Segnung für dich und Klaus Dieter? Das ist doch ganz schön! Es tut gut und ist doch auch wichtig für ein gemeinsames Leben! Denk an Margarethe  aus Göttingen mit ihrem Arnt, die sich nach Jahren der Heirat in einer kleinen Kirche segnen ließen.“ Nun, ich hörte mir diese Stimmen immer wieder an und irgendwann auf einer Autofahrt gen Süden redete ich mit Klaus Dieter darüber.

Ja, vielleicht wäre das ganz nett, meinte er.  Und dabei blieb`s. Dachte ich.