der "Pfarrertest"

Buchprojekte von Peter Claus, Ludwigsau. Zusätzlich kann hier jeder registrierte Teilnehmer Finnlandgeschichten und Fotos bis 250 KB nach Freischaltung veröffentlichen.

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Manti, Simuna

(Manti, Vuokkos Cousine, vor dem Ferienhaus 1968)

Schon bald nach meiner Ankunft lernte ich Manti und ihre Eltern kennen (Cousine, Tante und Onkel). Sie luden mich zu sich ins mökki (Ferienhaus am See) ein und ich war begeistert! Dass fast jede finnische Familie irgendwo ein Ferienhaus besaß, war mir zu der Zeit noch nicht bekannt. Ich genoss es einfach. Mit dem Auto ihrer Verwandten fuhren wir zum Simunankoski in der Nähe von Lievestuore. Leckereien wurden aus dem Auto geladen und ins Haus gebracht, aus dem Schornstein quoll bald Rauch - die Sauna wurde geheizt. Gehört hatte ich davon ja schon, aber darin gebadet? Ich sträubte mich mit Händen und Füßen, aber später konnte ich davon nicht mehr lassen. Einfach toll. Auch weitere Gäste kamen hinzu - u. a. ein Pfarrer, der sehr gut Deutsch sprach. Das war eine Erleichterung für Vuokko. So hatte sie nicht ständig die Arbeit. In der Zeit des Saunaaufheizens unternahmen die Männer einen kleinen Bootsausflug mit Angeln und Würmern. Ich hatte noch nie einen Regenwurm auf einen Haken gespießt. Die Erfahrenen unterstützten mich tatkräftig. Und siehe da, das deutsche Bürschchen fing sogar einen passablen Fisch, der später in der Pfanne landete. Es wurde viel geredet während des Ausflugs. Der Pfarrer unterhielt sich ständig mit mir. Erkundigte sich nach meiner Heimat, meinen Eltern, der Schule. Ich freute mich, dass ich so freundlich aufgenommen wurde und im Interesse der Anwesenden stand. Dann besuchte ich doch die Sauna und fühlte mich nach dem Guss kalten Wassers aus dem See wie neu geboren. Es dauerte, bis alle gebadet hatten - Männlein und Weiblein sittsam getrennt - so wie es in Finnland üblich ist. (Außer natürlich innerhalb der Familie.) Ein herrliches Abendessen wartete auf uns, das nach der Sauna wunderbar schmeckte.

Am späten Abend wurden wir zu Vuokkos Elternhaus zurückgebracht. Erst viele Jahre später erfuhr ich den ursächlichen Zweck dieser Einladung: Vuokkos Eltern und die Verwandten wollten wissen, was ich denn für ein Kerlchen sei. Ist auch verständlich. Da lädt sich so ein fremder Deutscher einfach ein, ohne dass ihn jemand kannte. Der Pfarrer sagte nur: "Mit dem Jungen ist alles in Ordnung, ihr braucht euch keine Gedanken zu machen!" Diese Prüfung hatte ich schon einmal bestanden.

veröffentlicht: 2011-06-15