erste Mittsommer

Buchprojekte von Peter Claus, Ludwigsau. Zusätzlich kann hier jeder registrierte Teilnehmer Finnlandgeschichten und Fotos bis 250 KB nach Freischaltung veröffentlichen.

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Mittsommernacht in Finnland Mittsommernachtsfeuer

(Mittsommernacht 2007)
meine Finnlandfotos mit hoher Auflösung findet ihr hier (bitte anklicken).

Irgendwann Mitte der 70-iger Jahre bekam ich wegen meiner frühen Ferien zum ersten Mal die Chance, in Finnland die Mittsommernacht zu verbringen. Viele Geschichten ranken sich um diesen besonders wichtigen Tag im Leben eines Finnen: die hellste Nacht des Jahres, Beginn des Sommers und der Urlaubszeit, das Leben im mökki (Ferienhaus) als kleiner Robinson Crusoe. Ich kannte dies nur aus Erzählungen, die oftmals mit Alkohol zu tun hatten.

Am Vorabend des Mittsommernachtsfests (Juhannusaatto) fuhren wir Richtung Lievestuore und bogen zum Savion Lava (Tanzboden am See) ab. Tanzböden sind die beliebten Treffpunkte. Hier lernt man sich kennen und vielleicht auch lieben. In dieser Zeit saßen Mädchen und Jungens noch jeweils auf einer Seite der Tanzfläche und warteten darauf, zum Tanz aufgefordert zu werden. Alkohol durfte offiziell keiner ausgeschenkt werden.
Irgendwann führte uns die Straße zu einer einsamen Schotterpiste. Immer mehr Fahrzeuge sammelten sich zu einer Schlange in unsere Richtung. Auch am Straßenrand bemerkten wir immer mehr Fußvolk. Und kurze Zeit später erreichten wir den See und eine Sperre vor dem Hauptgebäude. Hier hieß es Parkplatz suchen und Eintritt zahlen. Einen Parkplatz fanden wir, aber das Wetter war wenig einladend. Es nieselte leicht, ein kühler Wind blies uns vom See ins Gesicht.  Wenig erfreulich um die kürzeste Nacht des Jahres zu genießen, in der man um Mitternacht bei klarem Wetter ohne künstliche Beleuchtung die Zeitung lesen konnte. Gerne würden wir am Johannisfeuer sitzen, Wurst braten, den Gesängen lauschen. Wir beratschlagten die Situation und beobachteten dabei die Menschen um uns herum. Warum waren die meisten so gelöst? Einige torkelten durch das Gelände, andere stützten sich gegenseitig. Hier war doch Alkohol verboten. Die Veranstalter besaßen keine Lizenz. Fragend schauten wir uns an. Vuokko wusste natürlich die Lösung. Entweder hatten sie sich die entsprechenden Flaschen mitgebracht, oder es befanden sich geheimnisvolle "Quellen" in der Umgebung. Eine fanden wir: Ein alter weißer Mercedes öffnete seinen Kofferraum am Parkplatz, ein Pulk von Menschen stand herum, Geldbörsen wurden gezückt und Flaschen mit klarem Inhalt wechselten die Besitzer. Das musste Pontikka sein - selbstgebrannter Schnaps. Natürlich war es verboten, aber wen störte das. Es wurde verkauft, konsumiert und später gelitten ob der Menge des getrunkenen Hochprozentigen.

Wir entschieden uns für einen geordneten Rückzug. Die Lust auf dieses Mittsommernachtsfests war uns wegen der widrigen Umstände vergangen, deren Ergebnisse wir im Wald neben der Straße fanden: So weit, wie die Füße sie trugen, liefen sie und schliefen dann irgendwo im Unterholz ein....

veröffentlicht: 2011-09-04