erste Schülerfahrt

Meine erste Reise mit einer Schülergruppe der Jakob-Grimm-Schule Rotenburg nach Finnland.

Menu
P

... oder die Überschwemmung in Nilsiä!

Meine Idee war es, dass auch meine Schüler über den nationalen "Tellerrand" schauen sollten. Aufgrund unserer guten Beziehungen konnte ich es ihnen ermöglichen, eine Finnlandreise zu finanzieren. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg besitzt partnerschaftliche Beziehungen zur Stadt Hyvinkää, sodass wir das am See gelegene stadteigene Erholungszentrum Haukilampi günstig mieten konnten. 

Finnjet in Travemünde

Am See im Camp Haukilampi

(Finnjet bei der Hafeneinfahrt in Travemünde) (Strandsauna im Freizeitheim Haukilampi, Stadt Hyvinkää)

 

Die GTS FINNJET brachte uns Ende Mai 1983 gen Finnland. Schon das Schiff bedeutete für viele Schüler ein besonderes Highlight! Restaurants, Show-Programm, Disco - alles unter einem Dach. Nur die Kabinen waren für die Jugendlichen nicht besonders angenehm. Unter dem Autodeck, zwei mal zwei Meter! Aber sie wurden ja nur zum Schlafen gebraucht. Und die Nächte waren kurz oder lang. Wie man es sieht.

Südhafen in Helsinki Dom in Helsinki

(Südhafen Helsinki)  (Dom Helsinki)


Traumwetter erwartete uns bei der schmalen Durchfahrt neben Suomenlinna am Morgen - fast 30°. Wir spulten das später immer wieder so organisierte Programm ab: Stadtrundfahrt in Helsinki mit Markt, Olympiastadion, Sibelius-Monument, Felsenkirche, Dom und Uspenski-Kathedrale. Weiterfahrt nach Hyvinkää mit kurzer Stadtbesichtigung und weiter zu unserem Freizeitheim. Ich war begeistert bei diesem ersten Besuch von Ausstattung, Lage am See, Ufersauna. Die Schüler gingen baden und wir genossen die holzgeheizte Sauna. Besuche in unserer Partnerschule und dem Eisenbahnmuseum folgten. Also ein strammes Programm.

Nach der Hälfte des Aufenthalts sollte uns die Reise weiter in das nördlich von Hyvinkää gelegene Nilsiä führen. Dort waren wir in einem großen Bauernhaus mit nahegelegenen Hütten - auch wieder direkt am See - untergebracht. Während der Fahrt änderte sich das Wetter schlagartig: In Hyvinkää fuhren wir bei etwa 30° los, auf der Höhe von Jyväskylä wurden wir von einem dramatischen Gewitter mit Starkregen und Hagel heimgesucht. Schlagartig fielen die Temperaturen um 15°.
In Nilsiä mussten wir uns selbst versorgen. So kamen die angelbegeisterten Schüler auf die Idee, das Abendessen zu organisieren. Und es gelang. Nach dem Regen bissen die Fische besonders gut. Etwa 40 größere wurden gefangen, ausgenommen und geputzt. Wir heizten den großen Küchenherd und produzierten das Abendessen für alle. Was ein Erlebnis!

Am nächsten Morgen stockte uns der Atem. Es hatte über Nacht geschneit! Von +30° fielen die Temperaturen innerhalb von 24 Stunden auf 0°! Vom See stieg Wasserdampf auf. Wasser sollte uns in den nächsten Stunden noch mehr beschäftigen!

Der Besitzer des Hauses besuchte uns mit ein paar anderen Männern an diesem Tag und führte einige Arbeiten im und am Haus durch. Wir organisierten unser Leben so gut es ging bei diesem miesen Wetter. Abends zündeten wir den Kamin und die Öfen an, um etwas Wärme in die Behausung zu bekommen. Frühzeitig gingen wir schlafen. Kurz vor dem Einschlafen brummte vor meiner Hütte, die ich mit dem Busfahrer teilte, der amerikanische Sportwagen des Besitzers. Aufgeregt bat er uns mitzukommen. Mit durchdrehenden Reifen fuhren wir zum Haupthaus und sahen die Bescherung: Aus einem Zimmer im ersten Stock plätscherte Wasser durch die Decke auf den Boden. Wasserschaden im Holzhaus! Das bedeutet Probleme für die Substanz! Vollkommen geschockt betrachteten wir den Schaden. Das Wasser hatte den Holzfußboden durchweicht, Kisten mit gesammelten alten Gewehren, sorgsam in Ölpapier gewickelt, waren durchfeuchtet. Wir staunten über diese Ansammlung von Kalaschnikows, alten Sturmgewehren und Pistolen, die der pensionierte Offizier in dem Zimmer gelagert hatte.

Uns beschäftige danach die Frage, wie der Schaden passieren konnte. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass eine Schülerin versucht hatte, sich die Hände in ihrem Zimmer zu waschen. Doch der Wasserhahn schenkte ihr nicht das nötige Nass und sie vergaß ihn zu schließen. Der Besitzer hatte wegen einer Reparatur die Wasserzufuhr unterbrochen. Als er den Haupthahn wieder geöffnet hatte, füllte das dann reichlich fließende Wasser zuerst das Waschbecken, das schlecht abfloss, und später den Fußboden, bis es sich im darunter liegenden Zimmer sammelte. Herbert, unser Fahrer und ehemaliger Ringer mit Armmuskeln ausgestattet, die Kraft verhießen, rannte zu seinem Bus, holte ein Brecheisen  und begann den Holzfußboden des überschwemmten Zimmers aufzureißen. Um Schimmelbildung zu verhindern, musste er so schnell wie möglich trocknen. Ein riesiger Schaden! Wir setzen uns zusammen und begannen, von dem Vorfall ein Stichwortprotokoll anzufertigen, das für die Versicherung sicher notwendig werden könnte. Nach getaner Arbeit saßen wir gegen 24 Uhr erschöpft und deprimiert am Tisch und schauten stumm in das erloschene Kaminfeuer. Unser Fahrer verschwand für kurze Zeit und erschien mit mehreren Flaschen Sekt. "Die haben wir uns jetzt verdient!"

Veröffentlicht: 2011-06-25