Marko hat Masern..

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... oder wie unser Finnlandurlaub verlängert wurde.

Auf der Fahrt durch Schweden nach Finnland

(in Schweden Richtung Finnland am Vettern-See)

1975
Nachdem Marko im Herbst 1974 geboren wurde, wollten ihn die stolzen Eltern im darauffolgenden Sommer den finnischen Großeltern präsentieren. So lange wie irgend möglich wollten wir ihnen die Freude geben, den ersten Enkel zu genießen. Ein prachtvolles Kind: große blaue Augen, lange blonde Locken und, wenn es genug zu essen gab, war er immer das freundlichste Wesen der Welt. Wir erlebten mit ihm und den Großeltern einen sehr schönen Sommerurlaub mit hohen Temperaturen und Baden im See, bis ...

Etwa drei Wochen unseres Aufenthaltes waren vorbei, als Marko sehr hohes Fieber und Husten bekam. Ein paar Tage später gesellten sich kleine rote Flecken zuerst hinter den Ohren und später am ganzen Körper hinzu. Schon kreisten meine Gedanken um die Rückreise. Die Ferien würden bald zu Ende gehen! Aber zuerst zum Arzt mit ihm. Die Diagnose war eindeutig: Masern! Absolute Ruhe, verdunkelte Zimmer und viel Flüssigkeit wurden für etwa 14 Tage verordnet. Medikamente dagegen gab es wohl nicht. Jetzt ergab sich für uns ein Problem. Eine Woche später wollten wir zurückfahren. Die Ferien neigten sich dem Ende zu! Guter Rat war teuer. Ich rief meine Mutter an - Lehrerin in Bebra - mit der Bitte, sich beim Schulamt zu erkundigen, ob ich unbezahlten Urlaub bekäme. Zwei Tage später erreichte uns die Mitteilung, dass ich ein ärztliches Attest per Express/Einschreiben an meine Schule schicken sollte. Der Rektor würde darüber informiert. Wir mussten also wieder zum Arzt, organisierten das Attest und schickten es, wie gewünscht, sofort ab. Ein Stein fiel uns vom Herzen. Ich hätte Vuokko nicht mit dem kranken Kind alleine lassen wollen. Sie hätte mit ihm und viel Gepäck fliegen müssen. So erhielten wir eine Woche Urlaubsverlängerung.

Heimreise
Unsere Schiffspassagen mussten wir umbuchen. Turku-Stockholm-Göteborg-Frederikshavn. Es war immer noch so heiß. Mehr als 30° in Schweden, kaum auszuhalten. Klimaanlage im Auto? Fehlanzeige! Also mussten wir uns auf eine andere Weise schützen. Wir nahmen, Handtücher, legten sie uns angefeuchtet auf die Schultern und fuhren in Bikini und Badehose. Unser Junior lag außer dem Windelpaket nackt in seiner Sicherheitsliege auf dem Rücksitz. Ständig tranken wir, die Fenster waren geöffnet. Jeder kleine See wurde zur Abkühlung gesucht. Aber diese hatten auch fast Badewannencharakter!

In Dänemark suchten wir uns in der Nähe von Frederikshavn eine Übernachtungsmöglichkeit. In der Hoffnung auf ein kühles Bier und ein brauchbares Bett. Drei Betten fanden wir, aber das Bier war zimmerwarm (28°?). Kein Genuss!! Die Nacht wurde unruhig. Abgesehen von den vielen Autos, die sich auch nachts noch bewegten, und meinem Sonnenbrand, den ich mir während der Fahrt eingefangen hatte, kam unser Sohnemann nicht zur Ruhe. Am Morgen wussten wir warum: Er hatte in der Nacht seinen ersten Zahn produziert. Da er schon immer etwas Besonderes war, wuchs er nicht unten, wie bei "normalen" Kindern, sondern oben!
Kurz vor der dänisch-deutschen Grenze begann es zu regnen. Welch eine Wohltat! So konnten wir etwas entspannter nach Haus fahren. Aber die Anspannung stieg, als ich am nächsten Tag in die Schule kam. Mein Chef zitierte mich sofort in sein Büro. Wo das Attest sei, wollte er von mir wissen. Ich erklärte ihm, dass ich es ordnungsgemäß per Einschreiben und Express abgeschickt hätte. Der Brief war nicht angekommen! Am nächsten Tag legte ich ihm die Quittungen vor. Dann geschah Erstaunliches: Der Briefträger hatte während der Ferien den Brief einfach in einen Briefkasten geworfen. So tauchte er doch noch auf und alle Aufregung war umsonst.

Veröffentlicht: 2011-06-24