Otto mit Problemen

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Hafen in Trelleborg

(Hafen von Trelleborg - 2006)

Umzug 1973, Teil 2

Schnell hatte ich mich von den Eskapaden der Hinreise erholt und genoss die Ostertage bei Vuokko und ihren Eltern. Aber die kurze Zeit ging rasend schnell vorbei. Die Ostertage verbrachten wir in Kankainen bei Vuokkos Eltern, danach fuhren wir wieder nach Savonlinna, weil Vuokko sich auf ihre Prüfungen vorbereiten musste. Am nächsten Wochenende wieder zurück nach Kankainen, um Vuokkos "Aussteuer" zu packen. Unser Otto wurde gefordert. Turku-Savonlinna-Kankainen-Savonlinna-Punkaharju-Kankainen-Turku. Da sammelten sich die Kilometerchen und die Rückreise mit 1.800 km musste auch noch bewältigt werden! Wieder via Schweden und Trelleborg-Sassnitz.

Während der Heimreise sammelt sich immer der Abschiedsschmerz. Die Gedanken kreisen um das Gewesene, die schöne Zeit, die man miteinander verbracht hat. Die vielen Kilometer kamen mir doppelt so lang vor wie bei der Hinreise. Ob es Otto genauso ging? In Finnland fuhr er ohne Probleme. Aber als ich am nächsten Morgen in Schweden von der Fähre fahren wollte, hustete er, startete dann mit Widerwillen erst auf zwei dann auf drei Zylindern, bis er nur langsam und bedächtig von der Fähre rollte. Was war das, würde er es die lange Strecke durch Schweden schaffen? Danach noch die Tour durch die DDR, wo ich kaum auf technische Hilfe hoffen konnte. Aber das war sowieso alles indiskutabel: Ich hatte kaum noch Geld. Es reichte für Benzin und die Verpflegung von Schmalhans, mehr auch nicht! Also Daumen drücken, dass wir - Otto und ich - keine größeren Probleme bekommen würden. Wir tuckerten also los, immer mit einem unguten Gefühl im Hintern. Nach ein paar Kilometern schaltete sich der vierte Zylinder dazu und lief und lief und lief!!! Hoffentlich bleibt das so, dachte ich.

Wir kamen in Trelleborg an, fuhren auf die Fähre. Bei der Ankunft in Sassnitz das gleiche Spiel: erst zwei, dann drei und schließlich nach ein paar Kilomtern auch der vierte Zylinder. Otto hatte anscheinend keine Lust auf Heimat - so wie ich. Dort wartete nur der Prüfungsstress des Abschlussexamens. In Finnland genossen wir die Dreisamkeit mit Vuokko. In Deutschland rief der Arbeitsalltag! Aber Otto brachte uns brav auch das letzte Stück nach Hause. Vielleicht hatte er Mitleid mit einem armen Studenten?

Nach der Rückkehr wollte ich dem Problem auf den Grund gehen. Ich brachte Otto in die Werkstatt und beobachtete den Meister bei der Arbeit. Er hörte sich zuerst das Laufgeräusch des Motors im Kaltzustand an und ihm war die Ursache sofort klar: "Zylinderkopfdichtung", meinte er. Also musste der Zylinderkopf abmontiert und eine neue Dichtung eingebaut werden. Dabei spuckte Otto eine kleine Unterlegscheibe aus dem vierten Zylinder, der nicht so recht arbeiten wollte. Wie sich die dorthin verirrt hat?

veröffentlicht: 2011-06-23