Ulbricht zu Besuch

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Fußgängerzone in Jyväskylä

Fußgängerzone in Jyväskylä 2009

.. oder die besondere Art Schnaps zu trinken

Vuokko und ich unternahmen während meines ersten Aufenthaltes einen Ausflug - ich glaube wir besuchten Jyväskylä. Als wir am Abend nach Hause kamen, erzählte uns Vuokkos Vater, dass am Nachmittag ein Deutscher zu Besuch gewesen sei. Er kam mit einem Moped und mein Gastgeber meinte, er hätte wie Ulbricht ausgesehen. Wir schauten uns fragend an. Irgendwie muss Martti (so hieß Vuokkos Vater) mit Händen und Füßen herausbekommen haben, dass er zu Besuch bei Päivi war und uns besuchen wollte. Pech gehabt.
Ein paar Tage später kam Vuokko auf die Idee, dass wir ihre Freundin besuchen könnten. Wäre doch vielleicht interessant für mich. So fuhren wir am Nachmittag mit dem Bus nach Lievestuore und liefen die drei bis vier Kilometer zu dem Elternhaus von Päivi, die ich schon am Bahnhof von Jyväskylä bei meiner Ankunft kennengelernt hatte. Auch ein Bauernhof, mitten im Wald gelegen. Herrlich würzige Luft, die uns da in der immer noch so schwülen Luft entgegenwaberte - aber auch der deftige Geruch eines Misthaufens. Denn ihre Eltern betrieben Milchwirtschaft.
Das war ein Hallo, in der Fremde einen Deutschen zu treffen. An seinen Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber er sah wirklich Ulbricht ein wenig ähnlich. Der gleiche Bart, vergleichbare Statur, nur ein paar Jahrzehnte jünger. Auch ein Brieffreund von Päivi. Es gab viel zu erzählen. Erfahrungen mit der Reise und dem Aufenthalt mussten ausgetauscht werden. Nachdem sich der erste Redeschwall von uns allen gelegt hatte, wurden wir zum Kaffee eingeladen. Selbstgebackenes stand auf dem Tisch. Köstlich! Nachdem wir uns gestärkt hatten, beschlossen die beiden Deutschen für eine Zigarette nach draußen zu gehen. Hinter der Hauswand qualmten wir vor uns hin und tauschten weiter Erfahrungen aus. Kurze Zeit später kam der Hausherr auf den Hof, schaute sich absichernd nach allen Seiten um, dass ihn ja niemand beobachtete, und schlich sich zum Misthaufen. Aus einer Ecke zug er eine Flasche, öffnete sie, nahm einen kräftigen Schluck und versteckte sie an gleicher Stelle. Wir schauten uns verdutzt an, konnten uns dann vor Lachen kaum halten, prusteten in die Hand und gingen außer Hörweite. Auch eine Methode, seinen Feierabendtrunk zu sich zu nehmen.

Am Abend begaben wir uns dann auf den Heimweg - zu Fuß; denn ein Bus fuhr jetzt nicht mehr. Wir mussten etwa 10 km laufen. Das sollte aber kein Problem sein, weil der Weg sehr kurzweilig wurde. Viele Sternschnuppen zeigten sich am dunklen Augusthimmel. Dabei darf man sich ja angeblich etwas wünschen. Ich tat es ...

veröffentlicht: 2011-06-15