und wieder Schnaps

Buchprojekte von Peter Claus, Ludwigsau. Zusätzlich kann hier jeder registrierte Teilnehmer Finnlandgeschichten und Fotos bis 250 KB nach Freischaltung veröffentlichen.

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Sonnenuntergang am See

(einer der mehr als 180.000 finnischen Seen während des Sonnenuntergangs)

Es muss wohl das Jahr 1971 gewesen sein, meine fünfte Reise nach Finnland. Aber eigentlich beginnt die Geschichte in Friesland!

Große Exkursion nach Nordwestdeutschland und den Niederlanden. Als Geographie-Student war es verpflichtend an einer solchen teilzunehmen. Schon vor der Abreise fühlte ich mich hundsmiserabel: leichtes Fieber, Unwohlsein, Halsschmerzen. Aber jetzt von der Exkursion zurücktreten? Unmöglich, weil sie über DM 300.- gekostet hatte! Also fuhr ich mit. Die Reise führte nach Wiesmoor. Ich beichtete meinem Prof, dass ich krank sei und er schickte mich sofort zum Arzt. Der diagnostizierte: Angina! Die einzige Lösung war ein deftiges Antibiotikum. Schon am nächsten Tag ging es mir wesentlich besser und ich konnte am gewohnten Programm teilnehmen - auch an den abendlichen Bier- und Genever-Eskapaden. Die restlichen Tabletten verschwanden im Gepäcknetz des Busses und wurden vergessen.... Es sollte sich rächen!!

Zurück in meiner Heimat wartete Vuokko auf mich, mit der ich mittlerweile verlobt war. Sie absolvierte in Deutschland ein Praktikum, das sie ebenfalls für ihr Sprachstudium benötigte. Einige Tage später fuhren wir gemeinsam mit der Fähre ab Lübeck nach Finnland. Wieder in das Land meiner Träume! Wir verlebten wie immer eine traumhafte Zeit mit vielen Besuchen und sehr angenehmen Eindrücken, bis ....

Wieder durften wir für ein paar Tage im Ferienhaus von Vuokkos Verwandten verbringen. War ein wenig beschwerlich ohne Auto. Welcher Student konnte sich schon ein Auto leisten. Also waren wir mit Bus und per Pedes unterwegs. Wir fuhren Boot, hatten genug Verpflegung bei uns und ließen es uns gut gehen mit Sauna, Spaziergängen zur Wasserquelle und anderen Annehmlichkeiten, die das Leben so bietet. Ja, bis ich das Gefühl hatte wieder krank zu werden. Fieber stieg in mir auf und ich fühlte mich einfach nur schlecht. Halsschmerzen! Im Schrank befand sich eine Flasche, deutscher Rum !? 75%! Alkohol desinfiziert, dachte ich mir. Ich gurgelte damit. Eigentlich sollte man bei entzündeten Mandeln und 75%-igem Alkohol eine Wirkung spüren. Nichts. Ausspucken? Im Land, in dem Alkohol so teuer ist, wird ein so wertvolles Getränk nicht einfach verschwendet! Also hinunterschlucken. Ich wollte sterben. Meine Speiseröhre brannte wie Feuer, Tränen stiegen mir in die Augen. Vielleicht war das die heilsame Wirkung? Sie kam nicht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als am nächsten Morgen den nun nicht mehr wunderbaren Aufenthalt abzubrechen. Sofort zum Arzt. Aber am Wochenende blieb uns keine andere Wahl, als mit dem Bus in die Klinik nach Jyväskylä zu fahren - es waren wohl an die 35 km. "Die Heilung wird sicher 10 Tage auf sich warten lassen", meinte die Ärztin, nachdem sie die Vorgeschichte erfahren hatte. Also zehn Tage Bettruhe, ein schwach dosiertes Antibiotikum, mit lauwarmer Zitrone gurgeln, Magerkost, die nicht reizt. So kam ich langsam wieder auf die Beine. Und leider neigte sich mein Aufenthalt in Finnland dem Ende zu.

Und die Moral von der Geschicht? Ich trinke keinen Rum mehr nicht!

veröffentlich 2011-06-18