Wassertankstelle

In Finnland gibt es auch Wasser an Tankstellen!

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Wir sind das erste Mal mit zwei Autos unterwegs in Finnland - unserem kleinen BMW und dem größeren Pajero. Das bedeutet natürlich, dass wir auch mit mehreren Personen unterwegs waren. Unser Sohn zusammen mit seiner Freundin, Vuokko und ich. Ein Luxus! Natürlich hätte uns auch ein Auto gereicht, aber es war unser Glück, dass wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs waren!

Wir verbrachten unseren Urlaub wieder in Hirvensalmi auf der Insel Väisälänsaari. Irgendwann beschlossen wir, einen Ausflug zu unternehmen. Uns kamen die Felsmalereien von Astuvansalmi nahe Ristiina in den Sinn. Wir waren mit dem kleinen BMW unterwegs und wollten einen schönen Tag verbringen.... Doch kurz vor unserem Ziel fing es mächtig an zu schütten. Ein ordentliches Gewitter mit Hagel und Sturm suchte uns heim. Also war unser Ziel unerreichbar; denn dort mussten wir ca. drei Kilometer über Stock und Stein laufen. Stattdessen fuhren wir weiter und besuchten Puumala mit seiner imposanten Brücke.

Felsmalereien von Astuvansalmi

Astuvansalmi, Finnland
Felsenmalereien von Astuvansalmi
Astuvanslmi 2010

Am Heimweg informierte uns die Tankanzeige darüber, dass unser Auto Nahrung benötigte. Also fuhren wir zu nächsten Tankstelle in Ristiina. Tank füllen, das Auto parken, weil wir noch ein Eis essen wollten. Nach unserer Stärkung war es Zeit uns auf den Heimweg zu begeben. Ich versuchte, das Auto zu starten - vergebens. Mehrere Versuche schlugen fehl. Mein doch recht unwissender Blick unter die Motorhaube nützte auch nichts. Der Motor zündete nicht, obwohl alle Kabel und Zündkerzen in Ordnung schienen. Aufregung, Zorn, Hilflosigkeit! Wir beratschlagten. Marko könnte uns mit dem zweiten Auto holen. Wir verwarfen den Gedanken ob seiner Orientierungslosigkeit. Wir hätten ihm stundenlang die Fahrtroute diktieren müssen. Taisto, unser Vermieter, musste helfen. Gott sei Dank waren wir seit kurzer Zeit Besitzer eines Handys. Wir riefen ihn an. Er hatte Zeit und konnte uns holen. Am nächsten Tag würde sich alles klären.

Früh am Morgen fuhren wir mit dem Pajero nach Mikkeli zur BMW-Werkstatt. Wir beratschlagten mit dem Service-Meister, was zu tun sei. Da es ein Automatik-Fahrzeug war, musste es huckepack in die Werkstatt transportiert werden. Ein entsprechendes Abschleppfahrzeug wurde bestellt. Da ich einen Auslandsschutzbrief besaß, sollte uns dies kein Kopfzerbrechen bescheren. Doch was geschah mit unserem Auto? Nach dem Tanken keine Zündung mehr! Außerordentlich merkwürdig.

Nach etwa einer halben Stunde bog ein Abschleppfahrzeug auf den Hof der Werkstatt. Wir stiegen ein und der Fahrer fragte uns nach dem Ziel. "Die Tankstelle an der Kreuzung zur Hauptstraße in Ristiina. Dort steht unser BMW hoffentlich noch immer." Der Fahrer fragte uns, ob wir dort getankt hätten? Wir bejahten und dem sonst so stillen Finnen huschte ein Lächeln über die Lippen. "Ich hatte heute schon eine Fahrt zur gleichen Tankstelle. Der andere Fahrer hatte dort Wasser getankt." Ungläubig schauten wir uns gegenseitig an. Wasser getankt? Wie ist das an der Zapfsäule möglich? Der Abschleppwagenfahrer zuckte nur kommentarlos die Schultern.

Unser BMW wurde abgeschleppt, wir zahlten die Kosten und ließen unser Auto in der Werkstatt durchchecken. "Hier ist blankes Wasser drin!" Der Monteur zeigte uns den Inhalt des Benzinfilters. "Kein Wunder, dass er nicht mehr lief. Der Bordcomputer unterbricht die Stromversorgung, wenn ein Problem auftritt." Mit dieser Erkenntnis und zweier gepfefferter Rechnungen begaben wir uns auf den Weg zu unserer "Wassertankstelle". Wir schilderten dort unser Problem, legten die Rechnungen vor und fragten nach dem Grund, dass wir dort Wasser getankt hätten. Die Besitzerin erklärte uns mürrisch wegen noch weiterer Kundenprobleme, dass ein Tanklastwagen unmittelbar, bevor wir tankten, eine Spritlieferung in den großen Tank gefüllt hätte. Das Fahrzeug war einen Tag vorher generalüberprüft worden. Aus diesem Grund wurde der Tank aus Sicherheitsgründen mit Wasser gespült, sodass sich ein Kontrolleur hineinbegeben konnte. Ein Rest des Spülwassers muss sich noch im Auslaufstutzen gesammelt haben, der vor der Neuauffüllung mit Benzin nicht abgelassen worden ist. Dies reichte aus, um die Fahrt mehrerer Kunden zu unterbrechen.

Wir erhielten von der Besitzerin einen ordentlichen Kaffee und ein Gebäckstück als kleine Entschädigung. Die große legte sie uns in Form von Bargeld auf den Tisch. So besuchten wir Ristiina zweimal innerhalb von zwei Tagen. Aber das Erlebnis, dass man an Tankstellen aus der Zapfsäule auch Wasser tanken kann, erzielte bei unseren Zuhörern verständnisloses Kopfschütteln aber auch ein herzhaftes Lachen. Die spinnen die Finnen!

veröffentlicht: 2011-09-15